Selbstversorger

24.3.20 – 100 Meter von meinem Haus entfernt hat eine Medrese, eine Koranschule aufgemacht. Engländer und Amerikaner waren Feinde der Araber, warum schreiben sie Englisch? Jedenfalls habe ich gegen den Virus voll aktive Abwehrkräfte.

Samstag Mittag, so leer habe ich die Schwebebahn noch nicht erlebt. Ich war in der Stadt, um Druckerpatronen zu kaufen. Wahrscheinlich war ich der einzige, der noch nicht mitbekommen hatte, dass alle Läden geschlossen sind. Schön, endlich macht es Spaß, von morgens bis abends Bus zu fahren. April werde ich kein Ticket kaufen, keine Kontrolleure unterwegs. Dazu ein makellos blauer Himmel ohne Flugzeugstreifen und saubere Luft. Vielen Dank Corona!

Asterix ist an allem schuld, er war in Italien.

Ein Freund fragt, wie ich mich jetzt ernähre, weil die Tafel geschlossen ist. Ich sagte, ich sei Selbstversorger, dreimal täglich brate ich mein Sperma. Ich muss nicht raus gehen, die Herstellung ist umsonst und macht Spaß, und es schmeckt wie Spiegelei ohne Gelbes.




Kommentar Soso: Da kochst Du mal was Interessantes, und dann; keine Fotos.

zurken: Stimmt, hole ich nach – mit Rezept.



Kommentar Soso: Du irrst übrigens; Asterix ist GEGEN Coronavirus angetreten! :-)
In der deutschen Fassung heißt die Figur "Caligarius".

zurken: Man habe sogar nun den Übersetzer gefragt, warum er den Namen geändert hat.



Kommentar Andi: Aus dem Internet:
Der deutsche Übersetzer Klaus Jöken sagte dazu 2017 der Zeitung «Die Welt»: «Wir Deutsche empfinden Krankheiten als etwas sehr Unappetitliches, Ekliges.» Deshalb habe er sich mit dem Verlag für den Namen Caligarius entschieden.
Das war schon 2017 ... und nicht erst jetzt. Ach ja, und der Beifahrer heisst in Deutsch Bleifuss, im Original Bacillus...
Gruss Andi

zurken: Ja genau, so ist es, danke.




Aber …

17.3.20 – Helene Fischer Show abgesagt, Schulen geschlossen, wenig Betrieb in der Stadt, Busse leer, die Fahrer abgesperrt, und ich darf nun wieder hinten einsteigen. Alles okay, bis hier nur positive Konsequenzen, könnte von mir aus so bleiben. Aber ab morgen macht die Tafel für 3 Wochen dicht, nix mehr zu futtern. Ein guter Grund, den Flieger nach Thailand zu besteigen. Wenn schon zahlen für Essen, dann lieber in Pattaya.

Und das ginge in Thailand auch besser. Aber … was tun?




Kommentar Andi: Ja, jetzt nach Thailand das wärs. Habe gebucht, aber komme vermutlich nicht hin. Also bleibe ich hier und mache Zwangsferien in der Schweiz. Du hattest alles richtig gemacht. Zum bestmöglichen Zeitpunkt hin und vielleicht auch zum mustergültigen Datum zurück. Jetzt geht es vermutlich nicht mehr so gut!
Die Mädels und Frauen in Pattaya werden jetzt eine bittere Zeit erleben. Wenige bis gar keine Kunden, dazu vermutlich wieder die Kineaus die alle Preise drücken.
Geh hin und mach die Damen glücklich
Andi

zurken: Wenn ich jetzt hin fliege, muss ich den Kineau machen, nicht gut … Ihr Schweizer dürft nicht weg? Ist jetzt ne Diktatur da unten?




Ziemlich weit weg

10.3.20 – Ich esse gern Rosinenschnecken, weil die mich an Spiralgalaxien, wie die Andromedagalaxie, erinnern. Der Leiter einer Sternwarte wurde gefragt, wo im Universum er sich gerne mal aufhalten würde. Was er sagte, habe ich vergessen, ich hätte gesagt, in einem der Voids. Das sind riesige Hohlräume, wo nichts drin ist. Dann ist man ziemlich weit weg von allem. Vielleicht kann man von dort kein Licht mehr wahrnehmen.

Und in welche Zeit wollte ich zurück reisen, gäbe es eine Zeitmaschine? Zum Bau der Pyramiden zum Beispiel. Oder zugucken, wie eine Neandertalfamilie gelebt hat. Oder als das erste Lebewesen aus dem Meer stieg.




Kommentar Soso: Ich esse gern Rosinenschnecken, weil da Rosinen drin sind.
Genau, reise zum Bau der Pyramiden. Da wird jede helfende Hand benötigt. :-)

zurken: Ja, die Rosinen sind die Sterne. Die Bauarbeiter waren bestimmt Sklaven, das bin ich ja nicht. Außerdem möchte ich da lieber unsichtbar bleiben, so als Geist, nur zugucken, wie die das gemacht haben.




Lustvoller Zeitvertreib

3.3.20 – Ich musste heute husten, herrje, was soll ich tun? Hände waschen? Nein nein, ich werde nicht auch noch von dem Quatsch anfangen.

Ich habe einen Drucker, ein schwarzer Plastikkasten, sieht aus wie eine 19“ Endstufe. Ich packe das Ding aus und stelle fest: kein Kabel dabei zur Verbindung mit dem Computer. In der Betriebsanleitung lese ich, wie man den Drucker über die Webseite des Herstellers mit dem Rechner verbindet. Neumodischer Wahnsinn, denke ich, die beiden Teile stehen 20 cm voneinander entfernt, und der Datenstrom soll über Japan laufen. Anders geht nicht. Nicht mit mir. Den Kasten wieder eingepackt und zurück gebracht: „Ich will den nicht, da ist kein Kabel drin“, sage ich dem Verkäufer. Hätten die alle nicht mehr, sagt er. Das Kabel sei genormt. Ich musste eins kaufen und zuhause alles noch mal auspacken und anschließen. Nun druckt er.

Was mache ich mit einem Drucker? Ich kann mein Buch in Farbe ausdrucken. Vor einem Jahr habe ich damit angefangen, es ist dick geworden, 158 Seiten, 420 Fotos. Drei Farbpatronen sind bereits leer, bevor das erste Exemplar gedruckt ist. Soll daran liegen, dass die mitgelieferten nur zum Drittel gefüllt sind. Geizige Firma. Ein neuer Satz kostet 72 €. Voraussichtlich kann ich damit 3 Exemplare herstellen. Demnach kostet mich ein Exemplar mit Papier und binden lassen ca. 30 €. Ob sich das lohnt, was ich da mache? Irgendwie muss ich die Zeit rumkriegen. Mit dem Basteln am Buch kann ich mich an meine Abenteuer erinnern, es ist eine Art Selbstbefriedigung. Mit anderen Worten, zusammen mit der anderen Art tue ich kaum etwas anderes.

Mit der anderen Art habe ich vor 60 Jahren angefangen, vermutlich durchschnittlich einmal täglich, dann wären es jetzt 21.900 mal. Ein Pattaya-Freund meint dazu: „Männer, die über Jahre Pornos konsumieren, kriegen oft in der Gegenwart einer Frau keine Erektion mehr. Denen wird empfohlen, auf Pornos zu verzichten, um ihre abgestumpften Sinne wieder zu beleben.“ Abgestumpfte Sinne durch Porno gucken. Mir ist es bis heute ein lustvoller Zeitvertrieb.




Kommentar Soso:



zurken: Jaja, jetzt fällts mir wieder ein, ich habe das Virus schon 2009 vorausgesehen.



Kommentar Dirk: Jürgen, ich bin mir sicher, dass Leute wie Du und ich kein Corona bekommen. Viren haben ja auch ihren Stolz.

zurken: Wie Frauen verschmähen sie arme Schlucker wie mich? Na, dann kann ich mich ja morgen wieder raus trauen, danke für den Hinweis.



Kommentar Andi: Meiner Meinung nach ist es egal, ob man nun Pornos schaut oder nicht. Das einzige, was sich ändern wird, ist die Art der Filme. Der lustvolle Zeitvertreib dient einzig und alleine einer bestimmten Sache. Das Problem dabei ist, man konzentriert sich nur auf sich selber und nicht auf eine Frau. Das andere wichtige Gegenargument ist eben auch die Zeit. Macht man selber so muss es möglichst schnell gehen.
In Pattaya aber wollen auch die Mädels etwas davon haben und du musst dich mehr anstrengen als sonst. Und das ist dann die Sache, wo du eben gefordert wirst. Die Thai-Girls geben keine Ruhe, bis auch sie befriedigt sind!

zurken: Auf sich selbst konzentriert, ist nicht das Problem, sondern der Vorteil, und man muss gar nicht schnell. Ein Freund machte das den ganzen Vormittag, ein anderer 3 Stunden. Mich anstrengen müssen ist doch lästig. Beides hat Vor- und Nachteile, darum einfach immer beides parallel machen.




Unbrav

25.2.20 – Ich bin mein Leben lang brav geblieben. Was wäre aus mir geworden, wäre ich nicht brav gewesen? Wie alles, was man später gut können will, muss man wohl auch unbrav sein früh anfangen zu üben. Mit 71 kann das nur ungelenk und komisch werden. Wohl dem, dessen Land eine Wüste hat: In den USA könnte ich mich nach Slab City absetzen und sähe so aus wie der Bassist (20:25).

Auf keinen Fall besäße ich einen Vibrationstrainer, und falls doch, hätte ich mich nicht drauf stehend filmen lassen. Gardinen hätte mein Wohnmobil auch nicht bekommen. Und müsste ich mir in der Tafel einen Prediger anhören, bevor es was zu futtern gibt, würde ich da nicht hin gehen. Nicht brav sein ist anstrengend, vielleicht war das der Grund, warum ich es nicht geworden bin?

Wie sähe er denn aus, der ideale Ort für mich? Wüste wäre schon recht. Da stünde ich mit meinem Wagen unter Gleichgesinnten (auf Anhieb fiele mir allerdings keiner ein). Keiner hätte Fernsehen oder Radio, schon gar nicht Telefon. Die nächste Siedlung sollte mindestens 20 km entfernt sein. Keiner würde irgendetwas tun. Vielleicht würden wir uns Geschichten erzählen. Aber …

Ich weiß es eigentlich nicht, eigentlich weiß man nicht genau, was das alles ist … (Leo Navratil, Gespräche mit Schizophrenen)




Kommentar Soso: Alter, Du warst nie brav. Das einzig Brave war, dass Du brav auf alle Konventionen gepfiffen hast.

zurken: Soso, das ist ja ein schöner Nachruf, werde ich auf mein Grab schreiben lassen.



Kommentar Peter: Du wirst keinen Grabstein haben. Nachdem wir dich in einer Zeremonie mit Blick auf den Kailash verabschiedet haben und du ins Nirwana eingegangen bist, wird dein Körper in Stücke gehackt, und die heiligen Tiere wie Schakal, Wolf und Geier werden deinen Körper in den Himmel tragen und du wirst ewig im Herzen der Welt ruhen.
So wird es sein!

zurken: Au ja, das möchte ich bitteschön. Und danach mietet ihr eine Gogo-Bar und feiert mit den Girls eine ganze Nacht. Ich schaue zu von oben. Ich freu mich schon.



Kommentar Soso: Gibt es in Tibet Gogo-Bars?

zurken: Guter Einwand, vielen Dank. Die Trauergesellschaft müsste halt eine kleine Flugreise machen, ist aber von dort nicht mehr weit, etwa 3 Stunden.



Kommentar Peter: Fortsetzung: Alle Mädchen, die Zurken wichtig waren, werden bei der Trauerfeier selbstverständlich dabei sein, und nachher findet eine Feier nach seinem Geschmack statt!

zurken: Gute Idee, ich mach mal eine Liste. Dresscode für die Mädchen: je weniger, umso besser. Die Playlist reiche ich dann früh genug ein.



Kommentar Soso: Beerdigung auf dem städtischen Friedhof, mit katholischem Pfarrer. Der Trauermarsch von Chopin wird gespielt, Klageweiber werden unentwegt heulen.

zurken: So soll deine Bestattung aussehen? Dann werde ich nicht kommen. So.



Kommentar Soso: Deine natürlich. Danach gehen wir in eine Gogo-Bar. So.
Besser, Du bleibst noch ein Weilchen unbrav. :-)

zurken: Lass uns lieber jetzt schon in die Gogo gehen, ich sag dir, was du da machen musst.




Noch mal von vorn

18.2.20 – Warum ich anfing, mich für Astronomie zu interessieren. Nicht wegen Sonne, Mond und Sterne. Das haben sie uns schon in der Schule erklärt, was das ist. Wegen dem, was dazwischen ist, dem Schwarzen, dem Nichts, das fand ich interessant.

Die Astronomen sagen zwar, es sei leer da oben, aber nicht WIE leer es ist. Ich vermute, sie sagen es nicht, weil man ihnen sonst den Job kündigen wird. Die Mathematiker nämlich, das habe ich kürzlich in einem YT Video gesehen, streichen eine Größe in einer Gleichung weg, wenn sie so klein ist, dass sie für das Ergebnis keine Rolle spielt. Das müssten sie streng genommen auch für die Materie im Universum tun, weg streichen. Um uns zu täuschen, zeigen sie uns immer solche Bilder:

Wie leer ist es denn nun? Suchbegriff: »Materiedichte im Universum«. Dann kommt: 4,7 x 10 hoch minus 30 g/qcm. Das hatte ich mal in Mathematik, wie war das noch? Eine negative Potenz. Ich glaube, es müsste so eine Zahl rauskommen, richtig?

0,000000000000000000000000000047

Naja, in einem Kubikzentimeter kann ja auch nicht viel drin sein. Mal rechnen, wie viel in einem Kubikkilometer drin ist:

0,000000000000000000047

Mmh, auch nicht viel mehr, immer noch weit entfernt von einem Gramm. Nachdem Gott das Universum fertig hatte, guckte er es sich noch mal an, so wie sich Autofahrer nach dem Einparken nach ihren Autos umdrehen. Da dachte er: Ups, da ist ja gar nix drin, muss ich wohl was falsch gemacht haben, also noch mal von vorn …

In der Kabbala hieß es, Gott hätte siebenundzwanzig Mal versucht, das Universum zu schaffen. Anscheinend ist dieses das achtundzwanzigste Mal und diese Schöpfung die am wenigsten schlechte. Wie müssen erst die früheren ausgesehen haben? Und wann wird ihm eine gute gelingen? (Eugène Ionesco, Der Einzelgänger)





Öhm …

11.2.20 – Es ist Dienstag, aber mir fällt nichts ein. Tut mir leid. Muss am Alter liegen. Aber schönes Titelfoto, nich? Die Kamera liegt auf der rechten Sofalehne, bzw. von mir aus auf der linken. Gemacht mit Selbstauslöser in den gegenüberliegenden Spiegel. Man sieht rechts und unten die Ränder des Spiegels. Ich rühre im Tee. Die Mädels habe ich extra so hingestellt und gesetzt, damit es malerisch aussieht. Nein, gelogen, das war zufällig so. Einfach schön.




Kommentar Andreas: Hi Jürgen,
was ist los - mir fällt nicht´s ein, es muß am Alter liegen.
Nix da, sowas zählt in keinem Fall.

Also, was ist los? Bekam es dir nicht so gut in Thailand
wurde dir langweilig oder ging einfach das Geld aus?

Es ist schade nichts mehr lesen zu können. Aus Patti
nichts, und nun nicht einmal hier aus dem Schlaraffenland.

Wollte gern mal hören, ob und wann du evtl. nach
Aralsk startest. Kann naklar sein, es hat sich alles schon
wieder ganz andres entwickelt.
Alla Hopp
Gruß Andreas

zurken: Ein Gedicht. Danke. Aralsk fällt wahrscheinlich auch aus – zu öhm 90% ... ungefähr.




Zombies

4.2.20 – Auf allen Flügen nach und von Bangkok nur einmal einen interessanten Film gesehen: Argo, da gings um die Befreiung der Geiseln aus der Botschaft in Teheran von 1980. Sonst ist dieses Programm derart langweilig, dass ich mir das gar nicht mehr ansehe. Wie gewohnt auch dieses Mal nur rechts und links geschielt, was die anderen sehen. Beim Nachbarn auf dem Bildschirm sah ich die Namen Tom Waits und Iggy Pop, und wie erwartet war der Regisseur Jim Jarmush. Ich sah meinen Nachbarn von der Seite an, und ja, der sah doch ganz nett aus. Also angesprochen. Ja, der Film sei in Deutsch, und er gucke ihn auch wegen der beiden Schauspieler, aber Jim Jarmush kenne er nicht. Night On Earth? Ja, den habe er gesehen. Weiter kam ich nicht mit ihm. Ich sagte, er könne den Hörer wieder aufs Ohr drücken, ich hätte keine weiteren Fragen. Habe dann auch Die Toten sterben nicht gesehen.

Fand ihn nicht so toll. Ganz witzig, aber nicht mehr originell, ist das Ende. Der junge Polizist erklärt, warum er immer sagte: Das wird böse enden. Jim habe ihm das Drehbuch gezeigt, sagt er. Wie nennt man das, wenn die Schauspieler im Film über den eigenen Film reden? Aber heute, als ich im Bus saß, fiel mir eine Deutung ein: Die Zombies sind wir. Alle, die zustiegen, waren Zombies. Ihre düsteren Mienen, grauen Gesichter, ihre gebeugte Haltung, Kleidung, genau wie die im Film. Ich bin einer von ihnen. Das Alter verwandelt uns in Untote. Jim Jarmush weiß es vielleicht von seinem Spiegelbild. Auch gut zu sehen, wenn man Leute aus der Jugendzeit kennt, wie die Rolling Stones. Aus allen sind Zombies geworden.

Ich bin also wieder daheim und fühle mich krank und alt. Nuh noi schreibt auf Facebook: I hope we meet again next time. Ja, hoffe ich auch. Ach, wäre das schön, wenn sie jetzt mal kurz hier neben dem alten Zombie säße … oder vielleicht eine Nacht bliebe, um mir am Morgen den Kopf vom Rumpf zu trennen?




Kommentar Andi: Ich kenne nur die "vierte Wand" wo die Schauspieler mit dem Kino-Publikum "sprechen". Sie schauen in die Kamera und reden zu den Zuschauern. Beispiel "Ferries macht blau" oder die "Scary-Move" Filme. Weiss jetzt nicht ob du dies meinst.
Gruss Andi

zurken: So was in der Art. In einem Comic trat plötzlich der Zeichner auf und redete mit seiner Figur …



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