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Zu schüchtern

15.10.16 – Wieder im Black Bear Kofi gesessen und die Nette von gestern angerufen, um die beiden einzuladen. Sie sagte, sie könne nicht kommen, sie habe meinen Blog gelesen. Erst nach dem Gespräch kam ich darauf, dass sie möglicherweise nicht gekommen ist, weil ihr irgendwas nicht gefallen hat, was ich da geschrieben habe. Wahrscheinlich hat sie einen Translator benutzt und einiges missverstanden. Tja, schade.



Das habe ich getrunken, irgendein Kräutertee, lecker. Wetter sonnig warm, genau richtig, lange dort gesessen und den Leuten beim Leben zugeschaut. Aber das Ereignis von gestern hat sich nicht wiederholt, keine hübschen Mädels an meinen Tisch gekommen. War schon immer so, keine zweite Chance.



An der Bushalte. Ich hätte so gern mit ihr geredet, was hätte ich sagen können?: Entschuldige bitte, ich möchte dir nur sagen, dass ich dich sehr süß finde, für den Fall, dass es dir noch keiner gesagt hat. Hier kann man das machen – glaube ich, hab ich aber nicht, zu schüchtern.



Abends bei Erlang und Nargisa eingeladen zum essen. Kenne ihn schon lange, immer wieder nett mit ihm. Und überall gleich bei Muslimen: Die Frau kocht, wir Männer hocken zusammen und reden, die Frau kommt freiwillig nicht dazu.



Alle zusammen, der Herr rechts etwas hinfällig, nein, das bin ich nicht, oder?

[kommentar]



Kommentar Andi: Doch, doch, das bist du. Man steht aber auch nicht an den Rand sondern mitten ins Bild! Und dann noch dieser einfarbige Anzug neben den farbig gekleideten Hünen aus Usbekistan.

zurken: „Hünen aus Usbekistan“ wird ihnen gefallen, das sage ich ihnen …



Kommentar Soso: Vermutlich hat sie Deine Thailandgeschichten gelesen. Kann sie ja nicht ahnen, dass Du ein gebildeter, intelligenter, kulturell interessierter Reisender bist, der nur mit ihr über Usbekistan plaudern will.

zurken: Die Thailandgeschichten habe ich ihr erzählt, und ich finde, daraus hätte sie schließen können, dass ich ein gebildeter, intelligenter, kulturell interessierter Reisender bin, nö?




Der große Absturz

14.10.16 – Der thailändische König ist gestorben, 30 Tage Trauer, vermutlich die Gogo Bars geschlossen. Gut, dass ich nach Usbekistan und nicht nach Thailand geflogen bin.



Der Tag fing gut an mit diesem Cafè. Es heißt „Black Bear Kofi“ und befindet sich in der Shota Rustaveli, falls einer von euch mal nach Tashkent kommt. Hier verkehren nur gut aussehende und gut gekleidete junge Frauen, also die richtige Umgebung für einen alten Ausländer. Und tatsächlich schaffte ich es, diese beiden an meinen Tisch zu holen:



Nicht ganz richtig, ich habe sie nicht geholt, eine von ihnen fragte, ob sie einen Stuhl von meinen haben dürfe, weil der bequemer war als der an ihrem Tisch. Ich sagte – schlagfertig wie ich nun mal bin –, die beiden könnten sich ja gleich zu mir setzen. Haben sie gemacht, so einfach ist das hier als Ausländer. Zu einem Usbeken hätten die sich nie gesetzt. Und es war super toll mit ihnen. Die eine sprach besser Englisch als ich, und wir haben fast 2 Stunden da gesessen und gequatscht – wunderbar, ich war glücklich und habe es den beiden auch gesagt. Hoffe, sie morgen noch mal zu treffen.



Habe den beiden dieses Foto gezeigt, das ich kurz zuvor im Bobur Park aufgenommen hatte. Ich dachte, es sei ein Penner, der unter einer Plane schläft, da es tatsächlich immer noch ziemlich kalt ist. Aber die Mädchen sagten, man habe die Plane über ihn gelegt, weil er tot ist. In meinem Land würde man sicher Polizei oder Ambulanz anrufen, hier bliebe der erst mal so liegen, man könne ihm ja eh nicht mehr helfen. Aha, wieder was gelernt über Usbekistan. Wie lange man den so im Park rumliegen lassen würde, konnten sie nicht sagen. Irgendwann werde man ihn wohl da wegholen.

Dann nahte der Abend, Disco mit den Freunden war geplant. Erstmal essen in einem sehr angenehmen Restaurant, auch das Essen war hervorragend, und mir gelang dieser nette Schnappschuss von der Schashlikbraterei:



Weil die Disco spät öffnete, wechselten wir in ein anderes Restaurant, wo Jassu zu uns stoßen sollte. Ich kenne einen, der so heißt und freute mich, ihn dabei zu haben. Aber es gibt in Tashkent noch andere, die so heißen, und mit diesem Jassu und seinem Kumpel begann der große Absturz des Abends.



Jassu ist der im blauen Hemd. Das kennt jeder: bei manchen Menschen weiß man in der ersten Sekunde, dass man mit ihnen nicht klar kommt. So war das mit ihm. Er war schon betrunken, als er ankam. Er brachte nichts anderes hervor, als dusselige Trinksprüche, in denen es vor allem um mich ging, weshalb ich mir die Übersetzungen jedes mal von vorn bis hinten anhören musste. Blieb nur die Hoffnung, er kommt nicht mit zur Disco. Doch er kam mit. Und auf dem Weg dorthin habe ich die schlimmste Taxifahrt meines Lebens erlebt. Hier traf buchstäblich zu, was ich in einem Krimi von Heinrich Steinfest gelesen habe: “Desprez hätte Lust gehabt, ihm augenblicklich von hinten in den Kopf zu schießen. Aber Taxifahrer waren eine Macht für sich. Man musste einfach zusehen, die Nerven zu behalten und eine solche Fahrt unbeschadet zu überstehen.“

Genau so war das. Obendrein war es eine außergewöhnlich lange Fahrt, ich dachte, wir wären schon raus aus Tashkent. Ich habe sie überstanden. Ich dachte die ganze Zeit, wie gut, dass alles ein Ende hat, wie gut, dass wir sterblich sind usw. Dieses Arschloch vereinigte alles, was man an Taxifahrern hassen kann: Ich bat ihn, langsamer zu fahren: keine Reaktion. Er fummelte die ganze Zeit an seinem Telefon herum, ich bat ihn, auf die Straße zu schauen: keine Reaktion. Er ließ ohrenbetäubend laut schreckliche Ödmusik laufen, ich bat ihn … Er hustete, war offenbar krank und hat mich möglicherweise angesteckt. Er laberte ungefragt dummes Zeug, mein Freund übersetzte einiges. Am Rückspiegel hing ein widerlich stinkender Duftspender. Ich sagte meinen Freunden: das sei mir eine kleine Genugtuung: das Zeug sei krebserregend, davon habe er den Husten, der Arsch werde bald sterben.

Dann standen wir vor dem Eingang der Disco, und 6 filmreif aussehende Schwerverbrecher versperrten uns den Weg. Es waren die Türsteher, die uns aus unklaren Gründen nicht reinlassen wollten. Ich dachte, ist sicher auch besser so. Mein Freund sagte, ich solle denen was Nettes sagen. Ich wollte sagen: „Na, ihr traurigen Gestalten, habt wohl den Sprung von den Affen nicht geschafft ...“, und mein Freund hätte was Passendes übersetzen können. Aber natürlich ließen sie uns nach schier endlosem Gelaber rein. Drinnen war es wie erwartet fürchterlich, und man wollte uns aus unklaren Gründen nicht in den VIP-Raum reinlassen. Jassu hielt Trinksprüche. Ich beschwor meine Freunde, doch einfach da sitzen zu bleiben, wo wir gerade waren, der VIP-Raum konnte nur noch schlimmer sein. Aber nein, sie wollten da rein. Jassu hielt Trinksprüche. Mir gelang schließlich die Flucht mit der Ausrede, es gehe mir nicht gut, was im Grunde stimmte. Aber kaum saß ich im Taxi, ging es mir schon besser. Mein Freund hatte den Fahrer vorher gebeten, langsam zu fahren. Es war immer noch halsbrecherisch, und die Musik war zu laut, aber diesmal lief „Hotel California“, wozu ich den Rhythmus auf Türgriff und Oberschenkel klopfte. Alles war gut, als ich ins Bett fiel.

[kommentar]



Kommentar Der böse Wolf: Der große Absturz? Warst du zu, Zurken? ;)

zurken: Ich doch nicht, ich trinke Tee – die anderen waren, und darum kamen sie nicht in den VIP Raum




Mach das Licht an

13.10.16 – Der Höhepunkt des Tages: mit 2 Freunden und ihren Frauen beim Chinesen gegessen. Ich hatte eingeladen, und dann zum Schluss nicht genug Geld dabei gehabt. Glücklicherweise hatte eine von den Frauen genug dabei. Sonst hätte ich in dem Regen – ja, es regnet in Strömen in Tashkent, und es ist arschkalt, ich könnte gut eine lange Unterhose anziehen. Im Hotelzimmer läuft die Heizung. Damit hatte ich nicht gerechnet. Jacke und Pullover hatte ich für die Tour nach Moynac mitgenommen, aber nicht für Tashkent, das kenne ich nur heiß und trocken. Also ich hätte mit dem Taxi zum Hotel fahren müssen, Geld holen und wieder zurück, und es wäre jedes mal eine weite Fahrt gewesen, die Entfernungen sind riesig. Für die Fahrt mit dem Bus vom Hotel in die Innenstadt muss ich 1 Stunde planen.



Ich fange dann schon mal an – bis die Kellnerin auf den Auslöser gedrückt hat, habe ich den Teller leer gegessen. Die Frauen hatten noch nie vorher chinesisch gegessen, habe ihnen also eine Freude machen können. Wie erwartet war das Essen nicht so wie ich es vom Chinesen in Deutschland kenne. Wahrscheinlich ist es in China noch mal anders. Süß sauer schmeckt aber in Thailand genau so wie in Deutschland. Hier erinnerte der Geschmack nur entfernt daran. Es gab auch keine Ananasstücke. Die seien hier einfach zu teuer, meinte mein Freund. Aber ein Gericht kostete so viel wie ich vor ein paar Tagen für 5 Leute bezahlt hatte, incl. Getränke und Brot = 50.000 Sum. So viel habe ich gestern an einem ganzen Tag ausgegeben: Bus- und Taxifahrten, essen + trinken und Wäsche.

Wie hier üblich hielten wir Männer Trinksprüche. Wir haben unsere langjährige Freundschaft begossen (ich mit Cola und Tee). Es war wirklich wieder sehr lustig mit ihnen. Der ganz links sitzt bekam ständig geschäftliche Anrufe. Einmal dachte ich, er hält einen Trinkspruch, aber er unterhielt sich mit einem Kunden. Er sagte u. a., dass sich der Name Jack Chirac anhört wie der kasachische Ausdruck für „Mach das Licht an“. Sonst ist heute nichts passiert.

[kommentar]




Maniac



12.10.16 – Es gibt auch hier ein paar schöne Häuser, in denen zu wohnen ich mir gut vorstellen könnte.



Wenn ich mittags meinen big Boss in seiner Firma besuche, um mit ihm und der Belegschaft zu essen, muss ich mich beim Pförtner eintragen, damit der wenigstens ein bisschen was zu tun hat. Er trägt eine Polizeiuniform, vielleicht ist er auch einer. Polizisten nennen sie hier „Bodring“, was „Gurke“ heißt, wegen der grünen Uniform, und weil ihr Job so langweilig ist. Beim Essen habe ich ihnen erzählt, ich hätte meiner Freundin in Buchara Pornofilme gezeigt, und als wir nachmachten, was wir da gesehen hatten, musste sie kotzen. Einer sagte Maniac zu mir. Was ist ein Maniac?



Ich bin nicht mehr in der Provinz, wo das Mitbringen von Speisen verboten war. Im noblen Café Central gebe ich meine Weintrauben ab zum Waschen, und sie werden mir auf einem sauberen Teller serviert. Außerdem hat das Café Central sehr gemütliche Sessel, in denen man den ganzen Nachmittag bei einem Cappuccino abhängen kann. Der kostet aber auch fast so viel wie bei uns: 13.200 Sum = 2 €.



Sonst ist heute nichts passiert und wird wohl auch nichts mehr passieren. Ich bleibe in meinem kleine Hotel Carat, wo ich mich wie zuhause fühle. Wie man sieht, ist der Himmel zum ersten Mal bedeckt, aber es wird nicht regnen. Am Samstag kommt meine Freundin vielleicht nach Tashkent, und bleibt bis zum Abflug am Montag. Hier muss man immer „vielleicht“ sagen, denn aus den meisten Plänen wird nichts.



Ganz vergessen, das Foto aus dem Bobur Park zu zeigen. Ich dachte, es sei eine Statue auf die Lebensfreude. Aber die beiden ganz unten scheinen sich zu prügeln, und die ganz oben besaufen sich. Also doch ein Mahnmal mal wieder?

[kommentar]



Kommentar Andi: Ein Maniac ist gemäss Internet-Lexikon ein Verrückter, ein Irrer, ein Wahnsinniger oder er ist verrückt, wahnsinnig oder behämmert. Vielleicht gibt es auch eine etwas schmeichelhaftere Bezeichnung, aber ich habe sie nicht gefunden.

zurken: Nur, weil ich was Geiles mit der Freundin machen will, bin ich also für die Usbeken ein Wahnsinniger.



Kommentar Andi: Na ja, es gibt ja auch positiv verrückte wie du zum Beispiel?!

zurken: Ich bin der normalste unter der Sonne.



Kommentar Der böse Wolf: Hihi, das sagen alle....

zurken: bei mir stimmts auch




Zum Dahinschmelzen



11.10.16 – Ganz schöner Tag, angefangen mit perfektem Frühstück.



Dann perfekte Busfahrt in die Stadt, ich durfte neben dem Fahrer sitzen, eigentlich der Platz für den Kassierer, aber der Bus war mal wieder proppemvoll, alle Plätze besetzt von Leuten, die ebenso alt und hinfällig waren wie ich, also keine Chance, dass einer für mich aufstehen würde. So habe ich den besten Platz gekriegt: auf dem Beifahrersitz.



So sehen die Dinger aus von außen.



Raus aus dem Bus und ins nächste Loch fallen – kein Problem in Tashkent.



Dann über schön dekorierte Auffahrt in den Bobur Park gegangen.



Wer Bobur war, weiß ich noch nicht, morgen mal meine Freunde fragen, jedenfalls mit Turban von 1483 – 1530.



Dann über Lageplan des chinesischen Pavillons gewundert: kann man es sehen? Punkt 3: „Nude“. Gibt es da eine Sexshow? Der Freund sagte, das sei kein usbekisches Wort, es müsse sich um eine Transkription des chinesischen Wortes handeln, was hier also auch keiner versteht.



So sieht er aus von weitem, reingehen hätte Eintritt gekostet.



Dann die Freunde im Büro besucht, und das gesehen im EG. Die russische Sprache hat viele deutsche Wörter, z.B. „glatt“ oder „Kindergarten“ oder „Butterbrot“ oder „schlank“ usw.



Dann mit den Freunden gegessen, wozu ich sie einlud und für 6 Leute 50.000 Sum bezahlte = 7,70 €. Danach an einer Bushaltestelle diesen jungen Mann auf Englisch was zu dem Smartphone gefragt, das meine Freunde mir geliehen haben. Er guckte es sich an und sagte: „Oh, Sie sind Deutscher?“ Das sagte er in perfektem Deutsch. Mal wieder so ein super netter Typ. Er sagte mir, mit welchem Bus ich zum Café Central komme, das ich von früher kenne und wo ich den Nachmittag vertrödelte.



Die Speisekarte vom Café Central, leider nur noch in Russisch, und es gibt den leckeren Obstsalat nicht mehr, auf den ich mich gefreut hatte, dafür z.B. Spaghetti „Kinder“ – wie gesagt, viele deutsche Wörter.



Also bestellte ich zum Kaffee Schokolade, die mir so serviert wurde.



Mein Kellner: Aziz ist auch wieder so ein netter Mensch, der recht gut Englisch sprach. Als 3 süße, junge Mädels ins Café kamen, guckte er ihnen verächtlich nach und meinte, ohne Schminke seien die hässlich. In meinem Alter wird er das nicht mehr so sehen. Er sagte, er habe gehört, Deutschland sei das sauberste Land der Welt. Ich fragte ihn, ob er den Typen in dem Auto auf dem Parkplatz bitten könne, sein Radio etwas leiser zu stellen. Er sagte, die Musik komme nicht aus einem Auto, sondern aus der Disco auf der anderen Straßenseite.



Dann das gesehen. Was mag das sein?

Abends bei meinem Freund gegessen und seiner Frau ein bisschen über Thailand erzählt. Sie nannte mich einen „Charmanda“, was ich mit „charmant“ übersetzte. Aber mein Freund sagte, damit meine man jemanden, der sich schämen sollte.



Dann gegen 22 Uhr mit ihm und seinen beiden Söhnen in diesem Laden eingekauft. Das ist draußen, einfach so eine offene Betonbude mit nackter Glühbirne, ähnlich einer überdachten Bushaltestelle.



Das sind die beiden Verkäuferinnen der Betonbude. Zum Dahinschmelzen süß oderso … So war mein Tag. Perfekt.

[kommentar]




Oberfläche des salzigen Wüstenbodens

10.10.16 – Heute wieder einen Arsch als Taxifahrer gehabt – was habe ich ihn gehasst! Also fahre ich ab jetzt Bus, das ist noch billiger: 20 Cent.



Kleiner Nachteil: das braucht Zeit, es gibt kein Fahrplan, sie kommen irgendwann. Da habe ich mich einfach auf den Rand der Bushaltestelle gehockt, weil es keine Bank gab. So ein Foto nannte man früher „mit Selbstauslöser gemacht“. Da ist Selfie doch viel kürzer.



Und wenn es eine Bank gibt, dann ist sie maximal unbequem, als habe sich der Konstrukteur extra vorgenommen, es unbequem zu machen. Auch die Sitze in den Bussen sind unbequem, die Sitzflächen fallen nach vorne ab, so dass man jedesmal vom Sitz rutscht, wenn der Fahrer bremst. Nach einer längeren Strecke ist man völlig verspannt und sehnt sich nach einer Thai-Massage.



Im Bus durch Tashkent. Sie sind immer mit 2 Mann besetzt, Fahrer und Kassierer. Sie fahren extra langsam, damit sich möglichst viele Fahrgäste an den Haltestellen angesammelt haben. Sie werden am Umsatz beteiligt. Einmal dachte ich an jeder Haltestelle: jetzt passt aber keiner mehr rein. Doch, es passte, alle wurden mitgenommen. Ich stellte mir das in der Sommerhitze vor.



Der big Boss und ich im gleichen Hemd. Meins ist nur etwas älter, der linke Ärmel hat schon Löcher. Mein Freund war früher Deutschlehrer, und damals waren seine Studenten daran interessiert, mal einen Muttersprachler reden zu hören. Das heißt, sie sind mit mir ausgegangen und haben mit mir gequatscht. Das würde ich gern mal wieder machen. Er will in der Uni fragen, ob daran Interesse besteht.



Im Stadtteil Karasu (schwarzes Wasser) im Café Nafrus (Silvester) gegessen: Es gab Kompott und Kartoschka friet mit Kotlet. Es sah aus wie die Oberfläche des salzigen Wüstenbodens.

[kommentar]



Kommentar Andi: Aussehen ist beim Essen Nebensache, auf den Geschmack kommt es an. Bei den Girls ist es ähnlich ...ähhmm ... auf das Aussehen und den Geschmack kommt es an.

zurken: Was für ein Geschmack in Bezug auf Girls? Ihr Musikgeschmack?




Freundlich lächelnd anquatschen

9.10.16 – Buchara / Tashkent mit Zug in 6 Stunden 25 Minuten. Er fuhr pünktlich auf die Minute ab und lief ebenso pünktlich in Tashkent ein.



Bahnhof Buchara: angeberisch protzig, wenig Betrieb. Den riesigen Vorplatz betritt man durch eine Schleuse neben einem Polizeicontainer. Als ich im Zug saß, hatte ich mein Ticket viermal und meinen Pass einmal vorgezeigt. Am Haupteingang werden Mensch und Gepäck durchleuchtet wie am Flughafen. Schuhe und Gürtel durfte ich aber anlassen. Am Bahnhofsausgang in Tashkent durfte ich zum ersten Mal durch ein Tor gehen, ohne kontrolliert zu werden.



Zum Bahnsteig geht’s über die Gleise.



Sie sagten mir, ich fahre mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug, das ist er aber nicht. Das Foto habe ich für Muger gemacht. Sorry, es war Gegenlicht. Vor der Lok über die Gleise zu springen, dazu war ich zu faul.



Mein erste Klasse Abteil im letzten Waggon. Von weitem, wenn ich diese Züge von der Straße aus sah, wirkten sie gepflegt und neuwertig. Aber die Waggons sind bestimmt aus der Sowjetzeit: muffelige, alte Teppiche, braune Stofftischdecken, die Sitze durchgesessen, die Armlehnen knicken ab, wenn man sich drauf abstützt.



Ich hatte die Gardine ganz nach rechts geschoben, um besser rausgucken zu können. Der Schaffner kam und schob sie in die Mitte. Ganz rechts ist offenbar verboten. Man hatte mir gesagt, es gebe einen Speisewagen. Gab es nicht. Ein Typ in einer Metzgerjacke rannte mit einem Einkaufskorb voller Getränke rum, und ein anderer bot Sandwiches an.

Plötzlich hörte ich im Gang Deutsch mit Akzent. Ein usbekischer Guide überredete seine Gruppe zu einer Programmänderung. Ich sprach ihn an, und er war super nett. Er sagte, es gebe in Usbekistan ca. 400.000 Leute, die Deutsch sprechen oder lernen. Der neue Schnellzug fahre 250 km/h und schaffe die 600 km nach Tashkent in 3,5 Stunden. Vergessen zu fragen, ob der über die selbe Trasse fährt. Denn unser Zug rumpelte und schaukelte, dass man seekrank werden konnte. Wenn der mit 250 da drüber fährt …

Die beiden Toiletten waren verschlossen, ich dachte, sie seien besetzt, stellte mich davor und wartete. Zufällig kam der Schaffner vorbei und schloss eine auf. Wäre ja auch für Usbeken zu einfach, die Klos zu betreten, ohne vorher den Schaffner rufen zu müssen. Um beim Pissen nicht von einer Wand gegen die andere geworfen zu werden und den Pott zu verfehlen, begab ich mich in eine stabile Schräglage von fast 45°: Mit dem rechten Arm stützte ich mich an der Wand über dem Klo ab, die linke Hand hielt den Schniedel, und die Beine spreizte ich für einen festen Seitenhalt. Notfalls hätte ich durch das Loch im Boden gepinkelt, durch das ich die Schwellen der Schienen sah. Einen Knopf oder Hebel zum Spülen fand ich nicht.



Ob das die Kaffeemaschine ist? Kaffee musste man beim Schaffner bestellen, machte er wahrscheinlich selbst in seiner Kammer auf eigene Rechnung. Er schmeckte nach Nescafe, aber zu dünn, wahrscheinlich machte er aus einer Portion zwei Tassen. Kostete umgerechnet 50 Cent.

In Samarkand stellte sich raus, ich saß auf dem falschen Platz, nicht 18, sondern 28 hatte ich reserviert. In dem Abteil mit Nr. 28 saß bereits eine alte Japanerin auf meinem Platz, daneben ihr Mann. Ich hab sie da sitzen lassen und mich auf den freien Sessel neben dem Mann gesetzt und brav „Nice to meet you“ gesagt, aber mehr haben wir die restlichen 3 Stunden nicht geredet. Sie wollten offenbar nicht. Schade, sahen sympathisch aus. Sie hatten weder Smartphones noch Kameras dabei, sie lasen in Büchern (!). Und zwar von rechts nach links und von oben nach unten. Hab ich noch nie vorher gesehen.



Der Japaner nahm eine japanische Zeitung aus seiner Reisetasche, legte sie auf den Boden und darauf die Tasche. Dann sah ich, dass seine Frau es mit ihrer Tasche auf dem Tisch genau so gemacht hatte. Jaja, Usbekistan ist kein sauberes Land, da muss man vorsichtig sein.



Die beiden eingenickt …

Vor dem Tashkenter Hauptbahnhof überfielen mich die Taxifahrer. Die Typen gingen mir tierisch auf die Nerven. Taxifahrer sind ein übles Gesindel, überall auf der Welt. Einer verfolgte mich und wollte mir meinen Koffer aus der Hand reißen. Ich zischelte ihm zu, er solle sich verpissen und sagte „Idiot“ zu ihm, mal wieder vergessend, dass die das verstehen. Ein anderer Fahrer lachte, als er es hörte. Ich wollte zum Hotel Ravshan, von dem ich ungefähr wusste, wo es sich befindet, konnte also schätzen, wie viel das kostet mit dem Taxi. Alle Fahrer wollten 10.000 Sum = 1,50 €. Das ist lächerlich wenig, aber trotzdem das Doppelte des üblichen Preises. Ich fand schließlich einen, der sich bereits eine alte Dame geangelt hatte, und der mich als zweiten Fahrgast für 5000 mitnahm.

An der Rezeption empfingen mich zwei schlecht gelaunte junge Männer, beide sprachen kaum Englisch. Das Zimmer war klein, schäbig eingerichtet und 7 € teurer als das, was ich vor 2 Wochen hatte. Einziger Vorteil: es liegt in der Innenstadt. Das wog die Nachteile nicht auf. Aber das Hotel lag in einer Nebenstraße, wo sollte ich ein Taxi herkriegen? Wenn die im Hotel eins kommen ließen, konnte der Fahrer jeden beliebigen Preis verlangen, und ich wusste, es war ein langer Weg. Ich ging einfach wieder raus und fragte zwei junge Typen, die in einem weißen Chevrolet saßen. Sie seien Anwälte, sagten sie, und der eine wollte mich umsonst zu meinem Hotel fahren. Er war sehr nett, und am Ziel gab ich ihm 10.000 Sum. So ist das immer hier, alles verboten und schwierig, aber man trifft immer wieder auf so super freundliche Menschen, die einem weiter helfen. Man muss sie nur freundlich lächelnd anquatschen.

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Kommentar Andi: Habe wieder mal Google gefragt. Es gibt einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen Taschkent und Samarkand, 210 kmh aber dazwischen keine Haltestellen. Jedoch ab Bukhara nur den "Firmenzug", 6 Stunden 35 Euro. Es gibt drei Klassen, auch billiger, auch teurer, 160 kmh maximal. Durch dich lerne ich noch was über Usbekistan :-). Danke!

zurken: Er verkehrt also nur ab Samarkand, das wusste ich nicht, ich lerne über Usbekistan also noch was von dir aus der Schweiz.



Kommentar schaettman: super, der Bericht !
Warscheinlich hättest du den Schaffner zum Spülen rufen müssen, der kontrolliert wohl noch mal ,was du da gemacht hast :-)
Gruß th

zurken: Stimmt – dass ich daran nicht gedacht habe :)



Kommentar ostnomade: ... zwischen Samarkand und Tashkent verkehrt der Afrosiyab. Superzug, gestern erste Klasse gefahren, rund 2 Stunden und vmax 222 km/h (soweit angezeigt).

zurken: Ja, leider nicht schon von Buchara aus wie ich dachte …




Hallo ihr da oben



8.10.16 – Was mag das sein? Wird da ein Baum angebetet?



Könnte ein schönes Wohnmobil werden …



In Thailand muss man sich ständig den Schweiß von der Haut duschen, in Buchara den Staub. Schweiß ist besser, weil man den nicht einatmen muss.

Das wars aus Buchara, morgen früh mit Zug nach Tashkent. Wie war das nun bis hierher? Die Tour mit Abdu war gut, hätte ein paar Tage länger sein können. Auch mit meiner Freundin wäre ich gern länger zusammen geblieben. Es war so vertraut und selbstverständlich als wären wir seit Jahren zusammen. In einer besseren Welt bliebe sie einfach bei mir. Stelle mir vor, ich schreibe ihr aus Deutschland, Visum und Ticket liegen bereit, pack deine Sachen und fahr zum Flughafen. Schön wär's! Warum will mir nichts einfallen, das das möglich macht? Hallo ihr da oben, ihr Geister, Engel und Götter, wofür seid ihr da, wenn nicht für so was?

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Warum den Usbeken das Grüne blau ist

8.10.16 – Ich bin eigentlich nicht ängstlich, aber hier traue ich mich nach Sonnenuntergang nicht auf die Straße. Mir wird bewusst, wie hell deutsche Straßen ausgeleuchtet sind. Hier sind selbst die Hauptstraßen dunkel. Sie werden eher vom Licht der Geschäfte als von Laternen beleuchtet. Gestern habe ich gegen 20 Uhr auf so einer Hauptstraße ein Taxi zum Hotel bestiegen, weil ich mich nicht traute, zu Fuß zu gehen. Allerdings dachte ich unterwegs, dass ich mich zu Fuß wahrscheinlich weniger gefürchtet hätte als vor meinem Fahrer. Er wollte 20.000 Sum für eine Strecke, für die Einheimische 3000 bezahlen. Ich habe 4000 geboten, und er war schließlich einverstanden. Am Ziel gab ich ihm einen 5000er Schein. Wie bei Arschgeigen üblich, wollte er nichts rausgeben. 1000 Sum sind gerade mal 15 Cent, aber bei so einem bleibe ich natürlich hartnäckig, was ich mich aber auch nur traute, weil wir vor dem hell beleuchteten Hotel standen.

Letzte Nacht geträumt, ich bin auf Weltreise mit einer als Wohnmobil umgebauten Sattelzugmaschine. Ich sah mich am Steuer sitzen und denken, wie schön das ist, endlos Kohle zu haben und so lang unterwegs sein zu können wie ich Lust habe. Ich hatte am Vortag mein restliches Geld gezählt: 1.55 Millionen. Mein Traum hat das wohl für Euro gehalten, es sind aber nur 238,50 €.



Inzwischen habe ich rausgefunden, dass man von meinem Hotel aus alles zu Fuß erreichen kann. Man stolpert über die staubige und löchrige Oberfläche der Altstadtgassen und stellt sich vor, wie es hier vielleicht vor 100 Jahren ausgesehen haben mag. Abdu sagte, wären damals nicht die Russen, sondern die Engländer hier eingezogen, sähe Usbekistan heute aus wie Afghanistan. Da hat er sicher recht, es sähe anders aus, aber auch schlechter? Den Engländern wäre egal gewesen, an welchen Gott die Usbeken glauben, aber sie hätten ihnen nicht so eine Primatenarchitektur hinterlassen.



Usbeken trinken Kok Choi, den grünen Tee. Kok = Blau, Choi = Tee. Es gibt zwar ein Wort für die Farbe Grün, aber sie sagen zu allem, was grün ist kok. Abdu hat mal versucht, mir zu erklären, warum sie das machen, aber eher versteht man Heidegger als den Grund, warum den Usbeken das Grüne blau ist. Außerdem pflegen Usbeken ihre Teeschalen nur halb voll zu gießen. Darüber habe ich heute beim Durchdiegassenschlendern nachgedacht. Ich glaube, es ist so: sie essen und schlafen auf dem Boden, und früher war das der Jurtenboden, der naturgemäß uneben war. In einer vollen Schale wäre der Tee schnell mal übergeschwappt, wenn man ihn abstellt. Nö?

Das waren ja mal wieder höchst interessante philosophische Erwägungen, nicht? War sonst noch was? Achja, ich wollte heute eine usbekische Hure vögeln.



Öhm, nein, das ist sie nicht, die für mich vorgesehene Dame hat abgesagt. Schade, ich hätte sie mir zumindest gern mal angesehen. Die Dame auf dem Foto ist wahrscheinlich eine selbst ernannte Bushaltestellenordnerin. Jedenfalls rennt sie den ganzen Tag zwischen den Bussen rum und gibt Anweisungen. Ob die sinnvoll sind, weiß ich nicht. Jedenfalls hat sie eine Aufgabe und kann sich wichtig fühlen, das ist ja auch für viele andere Menschen ein Sinn im Leben.

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Sonderangebot

7.10.16 – Mal ein Wort zum usbekischen Klima gefällig? Der Sommer ist höllisch heiß, es kann 50° werden. Darauf höre ich regelmäßig den Einwand, dass das aber eine trockene Hitze sei. Jawohl, stimmt, abends die Socken gewaschen, morgens kann ich sie anziehen. Aber 45 - 50° sind trotzdem schwierig. Jetzt im Oktober hier in Buchara ist es genau richtig für mich. Vor allem, weil es nie regnet. Ich bin das siebte Mal hier und habe in Nukus zum ersten Mal Regen erlebt. So weit stimmt das mit der Nationalfarbe Blau der usbekischen Flagge, die stehe nämlich für den blauen Himmel, sagt Abdu. Das Weiß darunter stehe für die Baumwolle, da hätte ich Schwarz gewählt, nämlich für die Trauer um die Zwangsarbeiter, die die Wolle pflücken müssen. Statt Grün als dritte Farbe hätte ich Ocker gewählt. Das Grün steht für den Pflanzenbewuchs. Aber weil der nun mal Regen braucht, ist das Ocker der Wüste wahrscheinlich die häufiger vorkommende Farbe. Sollte man mich im Dezember zum Präsidenten wählen, wird die Änderung der Farben meine erste Amtshandlung sein: Blau, Schwarz, Ocker.



Da es hier sowieso einige mittelalterliche Gesetze gibt, würde ich als zweite Amtshandlung das „Recht der ersten Nacht“ einführen, und zwar nur für mich.



Die blöden ollen Medresen würde ich verfallen lassen und den Islam verbieten. Diejenigen, die sich öffentlich dazu bekennen, dürften wählen, ob sie lieber islamisch geköpft oder gesteinigt werden möchten.



Das Wichtigste wäre natürlich die Abschaffung des Kindergeldes (13 € monatl.) und die Einführung der Einkindehe. Wer mehr Kinder in die Welt setzt, müsste Steuern zahlen.

Gerade hat mich Afrusa* im Hotel besucht. Sie will mir morgen früh 9 Uhr eine Freundin bringen, die sich eine Stunde mit mir gegen Lohn vergnügen möchte. 50.000 Sum soll das kosten, das wäre ja mal ein Sonderangebot, das war vor 13 Jahren schon teurer. Hoffentlich habe ich nicht falsch verstanden, und sie meinte 500.000, denn 50.000 sind nur 7,70 €. Ich habe gesagt, ich müsse sie erst mal sehen, ich könne nicht mit jeder. Die Frage ist auch, wo das stattfinden soll, denn hier im Hotel geht ja nicht. Bin gespannt.

* Wer Afrusa ist, sage ich nicht, weil man hier befürchten muss, dass der Staatsschutz mitliest. Das ist sicher eine übertriebene Vorsicht, aber man weiß ja nie …

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Kommentar Marc: Wird ja immer interessanter. Und mit Vergnügen meinst du bestimmt Kaffee trinken und diskutieren.

zurken: Klar.



Kommentar Andi: Mal unter uns Pfarrerstöchter :-) Diese Farsona ist wirklich eine ganz süsse. Die gefällt mir! Schade verlässt du nun diese Schönheit und wir werden keine Bilder mehr von ihr geniessen.

zurken: Ich kann dir jede Menge schicken, hat sie mir heute kopiert. Mein Freund will sie nun doch nicht, willst du sie heiraten? 21 und Jungfrau.





Kommentar Andi: Heiraten? Eher nicht. Ich kann doch mein Harem in Thailand nicht im Stich lassen...

zurken: Öh, achso ja …




Was richtig gemacht

6.10.16 – Ab morgen pflückt sie Baumwolle, ich bin allein in Buchara. Ich hatte versprochen, ihr die 50 USD zu geben, um sich freizukaufen, aber … das ist wieder so eine lange Geschichte, keine Lust, das alles zu erzählen. Ein Glück, dass ich das Hotel nicht bis zum Abflug gebucht habe, da habe ich instinktiv mal was richtig gemacht. So kann ich Sonntag mit dem Zug nach Tashkent fahren, dort habe ich Freunde, und es ist mehr los. Ticket bereits gekauft: 600 km im usbekischen ICE, erste Klasse mit Fensterplatz für 13 €. Eine neue Erfahrung, noch nie mit Zug gefahren in Usbekistan.

Farsona will sich bis dahin um mich kümmern, mich morgen abholen und eine Freundin mitbringen, die auch nicht Englisch spricht. Keine Ahnung, wie das gehen soll und was wir dann unternehmen. Aber mit meinem Lebensmotto: „Alles, was kommt, ist richtig“, kann nichts schief gehen.

Heute einen echten Penner draußen gesehen, so vollkommen verwahrlost, wie man sie bei uns nicht mehr sieht. Ich erzähle ihr von meinem Bomschcafè, was sie auch lustig fand. Leider vergessen zu fragen, ob ich ein Foto von dem Bomsch machen darf. Für 5000 Sum hätte er es bestimmt gemacht.



Tja, das kommt davon …



Auf unserer Tour einige Videos gemacht, die ich erst zuhause hochladen kann. Als Vorgeschmack schon mal ein paar Fotos daraus.



Unfall in Navoi.



Hauptstraße in Moynaq.



Kaputte Straße zwischen Uchquduq und Nukus.

[kommentar]




Märchenland

6.10.16 – Mit Oksana fühle ich mich überaus wohl. Wir sind wie beste Freunde oder wie Geschwister, obwohl wir uns erst ein paar Tage kennen. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie einfach bei mir bliebe.

Aber so einfach ist das nicht, schon gar nicht in Usbekistan. Sie ist geschieden. Die Ehe war, wie so oft hier, keine Liebesheirat, sondern eine Verbindung zwischen zwei Familien. Weder sie noch der Mann wollten heiraten.

Oksana arbeitet als Lehrerin in einer staatlichen Schule. Der Direktor will, dass sie Baumwolle pflückt. Alle, die im öffentlichen Dienst arbeiten, müssen das machen, sie kriegen keinen Lohn. Wenn sie ablehnt, wird sie entlassen. Wenn das keine Zwangsarbeit ist? Sie sagt, sie könne sich mit 50 USD freikaufen, das werde ich gern für sie machen. Aber es könnte sein, dass sie später doch wieder arbeiten muss. Oh wundervolles Usbekistan, Märchenland aus 1001 Alpträumen!



Gestern mit einem 73jährigen Taxifahrer gefahren. Sein Dawwoo Matiz ist 18 Jahre alt, ein Winzigauto ohne Gurte und ohne Kopfstützen; vom Werk gebaut, um Leute auf dem Firmengelände hin und her zu kutschieren. Ich sage, er soll sich zur Ruhe setzen und nach Pattaya fliegen und Spaß haben. Nein, er ist verheiratet und will keine andere Frau. Na gut, dann eben nicht.



Hinten drin meine beiden Süßen.

Habe gehört, gestern soll ein Promi in meinem Hotel abgestiegen sein, irgendeine Sportskanone, ein Olympiasieger oder so. Heute morgen sehe ich einen im Hof Karateübungen machen, und beim Frühstück sitzen wichtig dreinblickende Herren in dunkelblauen Anzügen. Man telefoniert und schaut ins Laptop. Ich hocke dabei in Schluffen und Hemd über die Hose. Warum verneigt sich keiner vor mir? Schließlich komme ich aus dem sagenumwobenen Deutschland, wo die Freundin mit aufs Zimmer darf, wo man sich den Ehepartner selbst aussuchen darf, wo Gäste nicht schikaniert werden und wo man, anstatt sich von Zwangsarbeit freizukaufen, Hartz4 kriegt, wenn man nicht arbeiten möchte.

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Abnehmen

5.10.16 – Internetverbindung habe ich hier im Hotel nur, wenn ich mich in den Flur direkt neben das Sendegerät, oder was immer das ist, stelle. Läuft immer noch langsam, aber funktioniert.

Gesternabend einen von den anderen Gästen gesehen, ein etwa 50jähriger Afghane, wie er im Buche steht: Ziegenbart, langes graues Gewand, irgendein Gewusel auf dem Kopf. Er kommt mir auf dem Flur entgegen und schaut mich finster an, ich lächele ihn an, da lächelt er auch und bleibt stehen und schaut mir lange in die Augen. Ich stelle mir vor, er ist ein weiser Mann und erkennt mich wieder aus einem früheren Leben, als wir Freunde waren … öhm, kann nicht sein, er ist ja Moslem, und die glauben nicht an die Reinkarnation. Was für ein Quatsch einem immer durch den Kopf dümpelt …



Ein wichtiger Grund zu reisen ist abnehmen, zuhause schaffe ich das nicht. Morgens üppiges Frühstück im Hotel. Spät nachmittags dann Suppe und Salat und mit viel Hunger ins Bett. Ich esse alles auf, was sie mir hinstellen, außer der Wurst, die wird auch von der dekorativen Vierteilung an den Enden nicht besser. Das Urinfarbige ist der Kok Chai, der grüne Tee. In der Schale rechts daneben ist das, was sie „Porridge“ nennen, Milchreis, leider nicht in Honig, sondern in Öl. Dunkelrot darüber die leckere Marmelade, und neben Salz und Pfeffer steht ein Glas Yoghurt. Oben rechts das usbekische Brot. Normalerweise gibt es noch etwas Obst dazu.



Und gerade Farsona getroffen und mit den beiden Plov gegessen. Nach allem, was ich jetzt von ihr weiß, ist sie die perfekte Partnerin für meinen Freund: die gleiche Lebensvorstellung. Wir haben schon Pläne für die Hochzeit gemacht – natürlich nicht ernsthaft, die beiden müssen sich erst mal kennen lernen.

[kommentar]



Kommentar schaettman: Oksana ist die mit der blauen Hose ? (auf dem Bild von gestern und nicht die ,an der gerade rumgezuppelt wird ) , taucht heute wieder auf, rischtisch ? aber wie willst du die nach Wu kriegen zu deinem Freund ? oder hast du etwa noch einen ??
Gruß th

zurken: Doch, Oksana is die, an der rumgezuppelt wird, und hier auf dem Bild die im roten Kleid. Die bleibt hier, es ist die andere, die den Teller hält, die für meinen Freund bestimmt ist, süß, ne?



Kommentar Ameti: Farsona getroffen, das ist doch das hübsche Girl das ihr unterwegs mitgenommen habt. Ist das Dorf so klein oder ist sie mit Oksana befreundet. Wenn es noch länger dauert musst du uns eine Skizze machen, wer mit wem und überhaupt ... warum?

zurken: Hm ja, ich erzähle nicht ausführlich, sorry, ich schreibe ja keinen Roman, außerdem sind alle Namen falsch, denn hier muss man mit allem rechnen, zB dass sich Leute beim Staatsschutz langweilen und hier mitlesen. Farsona ist in der Tat die, die wir aufgegabelt haben, und die beiden habe ich einfach miteinander bekannt gemacht. Logisch, ne?




Schön machen lassen

4.10.16 – Auf der Suche nach einem Hotel gestern 6 Stunden mit Oksana durch Buchara gerannt. Es ist Hochsaison, die besseren sind voll, die billigen allzu schäbig. In einem dachte ich, hier wohnt das Böse, nur weg von hier. Es war stürmisch, Wüstenstaub verdunkelte die Sonne, und abends taten mir davon die Augen weh.



Wenn schon Hotel, dann prunkvoll: Kleiderschrank und Bett in meinem Zimmer. Hierher kommen jeden Tag Brautpaare, nur um sich im Foyer ablichten zu lassen. Warum wohne ich nicht mehr bei Oksana?

1. wegen der Registration. Ich hätte sie für 8 USD pro Tag kaufen können, aber da es Hotels ab 10 USD incl. Registration und Frühstück gibt, lag die Entscheidung auf der Hand. Außerdem, sagte Abdu, werden Hotels gelegentlich kontrolliert, ob die angemeldeten Gäste auch tatsächlich dort wohnen. Wenn nicht, sind Strafen fällig.

2. keine Mücken, ein sauberer Klopott und nicht mehr auf dem Boden essen und schlafen.

3. wäre ich 2 Wochen bei Oksana geblieben, wäre ihre Familie misstrauisch geworden, denn Couchsurfer bleiben nie länger als 5 Tage.



Das ist eine Registration: ein Schmierzettel mit Stempel. Touristen mit Wohnmobil brauchen sie nicht, für Gruppenreisende erledigt das der Guide. Nur so Leute wie ich, die alles selbst machen wollen, müssen sich drum kümmern. Fehlt bei der Ausreise ein Tag, muss man evtl. 2000 USD Strafe zahlen, oder man wird ins Gefängnis gestopft, oder man kommt auf eine schwarze Liste. Die schwarze Liste hätte ich mir gern gefallen lassen, ich werde wohl nie wieder nach Usbekistan reisen. Wenn ich an die Leichtigkeit denke, mit der ich mich in Thailand bewege, wirken die Schikanen in Usbekistan nur noch albern.

Zwei aktuelle Beispiele: Das Hotel hat WiFi, aber um meinen Computer mit dem Internet zu verbinden, musste gestern Abend ein IT-Experte in meinem Zimmer eine Stunde daran arbeiten. Heute funktioniert es schon wieder nicht. Zweitens: Oksana darf mich nicht im Hotel besuchen. Sie darf mich abholen oder mit mir im Restaurant sitzen, aber nicht mit aufs Zimmer kommen.



Heute schön machen lassen beim Sartorash (Frisör), ein tajikisches Wort: Sar = Kopf, Torash = waschen, er ist also ein Kopfwäscher. Das Fotografieren aus dem Handgelenk in den Spiegel erfordert Konzentration. Der transparente Teil des Umhangs ist gedacht für den Smartphonegebrauch. Der Kopfwäscher fragt mich, ob ich an Gott glaube und weiß einen interessanten Gottesbeweis: Siehst du dein Gehirn? fragt er mich. Nein. Aber du glaubst doch, dass du eins hast, oder? Ja. Siehst du, genau so ist es mit Gott: Du siehst ihn nicht, er ist aber trotzdem da.



Oben Manicure, während unten die Füße für die Padicure einweichen.



Nicht nur die Nägel werden geschnitten, auch die Hornhaut wird abgehobelt. Hände und Füße zusammen für 45.000 Sum = 7 €, billiger als in Pattaya.



Oksana kriegt derweil eine Gesichtshaarentfernung mit Liebe gemacht.



Die ganze fröhliche Belegschaft des Schönheitssalons.

[kommentar]



Kommentar schaettman: das ja rischtisch exodisch da :-)

zurken: Und ich bin exotisch für sie



Kommentar Andi: versteh was nicht. Du bist mit der Oksana zusammen, läuft da was? Hast nicht geschrieben, dass ihr euch auf einen Minuswert angenähert seid? Fragen, Fragen, Fragen?!

zurken: Mit ihr ist es ganz speziell, da müsste ich jetzt weit ausholen, jedenfalls verstehen wir uns prächtig, wir sind uns gegenseitig eine Freude, und keiner denkt, es müsse für immer sein, alles easy …




Noch auf Gebäck kauend

Abdu möchte meinen Bloglesern ein Angebot machen, wie man es von keinem Reiseveranstalter kriegen kann: Eine Tour für 1 - 2 Personen mit ihm und seinem Chevrolet durch Usbekistan, wie wir beide sie gemacht haben. Bei Interesse Mail an ihn:



Das ist übrigens die Zeichnung, die der oberste Chef der Polizei in Nukus in mein Tagebuch gemalt hat, um seine Theorien zum usbekischen Wasserproblem, dem Verschwinden des Aralsees usw. zu veranschaulichen.

Oksanas Familie nimmt an, ich bin ein Couchsurfer, von denen sie immer mal wieder welche hier beherbergt. Ist ein Mitglied der Familie in der Nähe, klopft sie an und fragt, ob sie eintreten darf. Ich strecke ihr dann die Zunge raus, sofern die anderen mich nicht sehen.



Das Mückenproblem haben wir mit diesem Gerät gelöst. Sie nennen es „Raptor“, und es funktioniert, kein Summen gehört in der Nacht. Sie sagen, der Geruch tötet die Viecher, was ich ihnen von Herzen gönne. Ich weiß aber nicht, wie das funktioniert. Ich atme das ja auch ein, und wenn die davon sterben, kann es für mich auch nicht gesundheitsfördernd sein, oder? Außerdem erinnert mich das Teil an eine Handgranate.

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Kommentar Andi: so etwas ähnliches hatte ich früher auch bei meiner Tochter installiert. Unten müsste ein "Tank" sein, wo was flüssiges reinkommt. Meiner Tochter geht es gut und sie ist immer noch gesund. Glaub, die Flüssigkeit schadet nur dem Ungeziefer!

zurken: Ja, da ist so eine Art Tank drin, aber inzwischen wohne ich ja wieder mückenfrei




Alles verboten



1.10.16 – Sehen rechts den Amudarya, gehen ein Stück den sandigen Weg runter Richtung Ufer, als wir hinter uns Pfiffe hören. Zwei Soldaten schreien, wir sollen zurück kommen. Alles ist verboten in Usbekistan, selbst das Angucken ihres fast ausgetrockneten Flusses. Warum? Weil sie ihm zu viel Wasser entnehmen? Nein, es ist das Grenzgebiet zu Turkmenistan. Dem darf man sich also nicht nähern.



Die A 380 Richtung Buchara ist zum größten Teil neu gemacht und 4spurig, wir kommen gut voran, auch wenn der Belag etwas merkwürdig aussieht. Wir passieren einen Ort, der Chandir heißt = Knorpel.



Kurz vor Buchara sammeln wir dieses leckere Mädchen von der Straße auf. Sie heißt Farsona, ist 21 Jahre alt, und weil unverheiratet, vermutlich sogar Jungfrau, ist sie die ideale Partnerin für einen Freund in Deutschland. Öhm, und auch noch wegen eines anderen Merkmales, auf das ich jetzt nicht näher eingehen möchte. Ich werde sie die Tage anrufen und mit ihr darüber sprechen.

In Buchara rufe ich meine Freundin Oksana an und sage, wir warten vor dem Innenministerium auf sie. Wie ich es mir eigentlich hätte denken können, werden wir dort von einem Polizisten verscheucht. So einfach vor einem Ministerium auf dem Gehweg stehen bleiben ist verboten. Warum? Vermutlich weil man in jedem Bürger einen potentiellen Terroristen sieht.

Wir wohnen in Oksanas Elternhaus. Finde sie wieder sehr nett und frage sie, ob sie mich heiraten will. Naja, man weiß ja inzwischen, was aus solchen Angeboten wird … Ich muss Abdu versprechen, Oksana als Dank für die Bewirtung einen neuen Klopott samt Installation zu spendieren. Er ist in der Tat etwas … öhm, verbraucht, um nicht zu sagen eklig. Gut, dass Abdu nicht gesehen hat, wie der Duschraum aussieht und auf welche Weise man sich darin waschen muss, sonst hätte ich auch noch ein neues Bad kaufen müssen.

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Eigener Geruch

30.9.16 – Wir zahlen 470.000 Sum für 2 Tage. Ich muss immer den doppelten Preis für Hotels zahlen, weil ich Ausländer bin. Das scheint per Gesetz so verordnet zu sein.



Abdu sagt, jedes Volk habe seinen eigenen Geruch. Wenn eine erfahrene Flugbegleiterin in ein voll besetztes Flugzeug kommt, erkenne sie am Geruch, aus welchem Land die Leute sind. Unsere heutigen Gäste riechen nach Sonnenblumenkernen, was aber nicht daran liegt, dass sie Karakalpaken sind, sondern die ganze Zeit solche Kerne knabbern. Schade, dass die Damen gerade den Mund zumachen, sonst hätte man ihre schönen goldenen Zähne sehen können.



Das ist Mukadas, die Kellnerin vom Ayas Kala. Kala bedeutet „befestigte Stadt“. Sie möchte mich nicht heiraten, ich soll ihr nur das Foto schicken, vielleicht am besten ohne den alten Ausländer an ihrem Arm? Ayas Kala ist eine verfallene Festung der Zoroaster, die irgendwann vor über 2000 Jahren hier gelebt haben sollen. Außer dem Hügel mit ein paar Grundmauern ist nichts von ihnen übrig geblieben, vor allem kein Müll, wie das vermutlich bei uns der Fall sein wird.



Wir fahren ein Stück weiter zum Totrak Kala, wo wir in einer Jurte schlafen, ich das erste Mal – und auch das letzte Mal. Es riecht nämlich nach Kamel, weil die Matten der Außenhaut aus Kamelhaarfilz gemacht sind. Beim Essen können einem schon mal ein paar Filzstücke in die Suppe fallen. So was erzählen sie einem nicht in Reiseführern.



Auf dem harten Boden schlafen ist auch so eine Sache, an die ich mich so schnell nicht gewöhnen werde. Zum Pinkeln muss ich über den schlammigen Parkplatz und dann über die Straße laufen. WiFi gibt’s natürlich nicht. Und weil das alles so wunderbar folkloristisch ist, und nebenan dieser alte Lehmhügel steht, in dem man vage die Umrisse einer Burg erkennen kann, muss ich 30 USD für eine Nacht zahlen. Immerhin gibt es ein üppiges Abendessen und Frühstück. Abdu als mein Guide kriegt alles umsonst. Wenn die wüssten, dass er das gar nicht ist, müsste er wohl auch 30 zahlen. Aber die Leute sind überaus nett zu uns, was ich mal nicht nur auf den hohen Übernachtungspreis schieben möchte.

In der Nacht taumel ich aus der Jurte, und da draußen in der Stille und der Dunkelheit habe ich für einen Moment das Erlebnis, das ich so oft genossen habe, als ich mit dem Wohnmobil hier war: Die Abende und Nächte in der Wüste. Und dafür musste ich nichts bezahlen, geschweige denn das Doppelte.

[kommentar]




Alle fahren umsonst

29.9.16 – Nukus: Seit 3 Tagen regnet es in Strömen, daher morgens kein Internet im Hotel. So viel Regen habe ich in Usbekistan noch nie erlebt. Eigentlich wollten wir von hier aus mit Geländewagen zum Ufer des Aralsees, aber erstens ist es mir zu teuer (2 Tage 530 USD), zweitens haben wir nicht mehr genug Zeit. Tankstellen haben kein Benzin, die Usbeken fahren mit Gas. Wir müssen von privat tanken, was natürlich verboten ist.

Fahren bis Moynaq, die rostigen Schiffe anschauen. Unterwegs nehmen wir Anhalter mit, alle sitzen hinter mir, kann keine Fotos machen, und Abdu übersetzt nicht alles, was ich von ihnen wissen will, z.B. ob die Dame mit uns was essen möchte. Eine junge Dame verströmte einen interessanten Geruch. Abdu meinte, man habe hier kein Wasser, daher waschen sie sich nicht so oft. Wie gern hätte ich an ihr geschnuppert. Alle wollen für die Mitnahme bezahlen, was hier so üblich ist, wir hätten einiges verdienen können, aber alle fahren umsonst.

In Moynaq kein Regen, aber bewölkt und kühl. Der Ort ist eine desolate Ansammlung gleichförmiger Häuser zu beiden Seiten einer holprigen Asphaltstraße. Immerhin gibt es ein Café, in dem wir von einer jungen Dame im Minirock bedient werden. Ich esse ein Spiegelei und trinke Kok Chai. Abdu hat Durchfall, ich habe Verstopfung, in 4 Tagen nur 2 kleine Haufen gemacht.



Der hat den Aralsee noch voll erlebt, das Gesicht vollkommen schwarz von der Sonne. Er sagt, der Hafen liege unter dem Sand begraben. Ob das stimmt? Im Hintergrund der Seeboden mit den verrosteten Schiffen.



Da rosten sie vor sich hin, 10 kleine Schiffe, wie extra für uns hingestellt. Hat sich die Tour dafür gelohnt? Überhaupt ist das Reisen mit Wohnmobil viel angenehmer und spannender als mit Hotelübernachtungen. Aus dem Hotelfenster sieht der Sternenhimmel nur halb so schön aus. Aber mit Abdu macht es Spaß, und darum geht es mir gut.

[kommentar]



Kommentar schaettman: moin, ist da einklich alles ziemlich umme ausser Jeeps ? Damen . die heiraten (oder nicht) wollen scheinen das ja ganz klar artikulieren können .... ziemlich cool scheint mir, obwohl kein Diesel und nur Gas geht für meinen LT1 nich... Grusz th

zurken: Allrad braucht man nur für ganz wenige Strecken, zB um das Ufer des Aralsees von Moynaq aus zu erreichen. Über das Ustjurt Plateau kann man auch mit einem LT fahren, aber dann unbedingt mit 2 Fahrzeugen. Benzin und Diesel kriegt man, es ist alles da, man muss nur wissen wo und sich durchfragen. Z.B. sieht man am Straßenrand eine Wasserflasche mit Benzin stehen, bedeutet das, der Hausbesitzer verkauft Benzin.



Kommentar henrik: Hallo Herr Zurke,
danke für die lebensnahen Berichte und Anekdoten aus einer Region die mir relativ unbekannt ist. Herrlich die Geschichte mit dem Hotel und Polizeichef, lebens- und liebenswert, gibt mir wieder etwas Mut an Menschen und das Leben zu glauben. Denke auch Sie kommen bereicherter von dieser Reise zurueck als nach einem Aufenthalt im thailändischen Kurort…und trotzdem, das Fleisch ist schwach und ich würde Sie gern auf eine Erfrischung während Ihres nächsten Pattaya Urlaubs einladen.
Bis dann, ein gute Reise und kommen Sie sicher wieder nach Hause

zurken: Oh, vielen Dank! Auf die Einladung komme ich gern zurück, bin vielleicht im Januar oder Februar wieder im Kurort.




So schlimm

28.9.16 – 400 km von Uchquduq bis Nukus durch die Wüste gefahren, dafür 9,5 Stunden gebraucht. Man hatte uns vorgewarnt, die Straße sei kaputt und werde von niemandem befahren. So schlimm wird es schon nicht werden, dachten wir und nahmen nur 2 Flaschen Wasser und nichts zu essen mit. Es war aber so schlimm. Kein Auto, keine Siedlungen, kein Mensch unterwegs, und das Handy hatte keinen Empfang. Mir fiel ein, dass man solche einsamen Strecken besser mit 2 Autos befahren sollte. Hätten wir eine Panne gehabt, wären wir verloren gewesen. Bis zur nächsten Stadt zu gehen, hätten wir nicht geschafft. Auf den letzten 50 km war mir schon ein bisschen mulmig zumute. Aber alles ging gut.



Die Straße war tatsächlich in einem fürchterlichen Zustand, überall Beulen und Löcher, konnten manchmal nur 10 - 20 km/h fahren. Ich war 2011 schon mal da lang gefahren, und da war die Straße noch in Ordnung, und alle paar Stunden kam ein Fahrzeug entgegen. Die Schäden seien in einem besonders strengen Winter entstanden.

Wetter war gut, etwas bewölkt, nicht heiß, und in Nukus fing es sogar an zu regnen. Wir stiegen im Hotel „Jipek Joli“ (Seidenstraße) ab, ziemlich nobles Haus, mit einem Gästebuch an der Rezeption, in dem ich einen Eintrag der amerikanischen Botschafterin fand. Was soll ich da mal reinschreiben? Vielleicht den britischen Diplomaten Charles Stoddart zitieren, der gesagt haben soll: „Vor der Festung Buchara geköpft zu werden ist wahrscheinlich das Beste, was einem die Seidenstraße bieten kann.“

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Möbel kaputt schlagen verboten



27.9.16 – Tomdi heißt „Hat getropft“, aber da müssen wir glücklicherweise nicht hin, wir brauchen keine undichten Badezimmer. Wir sind heute bis Uchquduq gefahren. Wir wussten, in Uchquduq gibt es ein Hotel. Wir wussten nicht, dass es sich um ein Kombinat-Hotel handelt, das keine Lizenz für Ausländer hat, d.h. sie können mich nicht registrieren und dürfen mir kein Zimmer geben. Was nun? Es ist das einzige Hotel der Stadt, hier kommen sonst nie Ausländer durch, die Zimmer brauchen. Wir sprechen mit dem Chef des Einwohnermeldeamtes, ein freundlicher Mensch in Polizeiuniform. Er sagt, wir könnten doch einfach bis Nukus durchbrettern, das seien doch nur noch 400 km bis dahin. Abdu verweist ganz richtig auf mein hohes Alter: Das hält der nicht durch. Der Beamte schaut in meinen Pass und dann auf mich: „Richtig“, sagt er, „der ist älter als mein Vater.“ Und ich vermute, wenn er an seinen Vater denkt, weiß er, dass der die 400 nicht mal dann durchhalten würde, wäre es früher Morgen. Trotzdem kann er nichts für uns tun.

Wir sitzen in einem armenischen Café namens Bar Anusch, und warten darauf, dass uns was Tolles einfällt. Im Auto schlafen? Auf der ersten Seite der Speisekarte lesen wir folgendes:

Es ist strengstens verboten:
1. den Mantel beim Essen anzulassen
2. alkoholische Getränke von zuhause mitzubringen
3. Möbel kaputt zu schlagen
4. mit Geschirr zu poltern

Machen Armenier so was normalerweise in Cafés? Ich stelle mir vor, wie sie da im Mantel mit dem Geschirr poltern beim Essen, ihren eigenen Vodka trinken und zum Schluss die Möbel zerkleinern.

Für uns werden merkwürdige Speisen aufgetischt. Etwas, das sich Gemüsesalat nennt und schmeckt wie stundenlang weichgkochtes kaltes Hackfleisch. Nein, sagt der Kellner, es sei kein Fleisch da drin. Die Armenier, sagt Abdu, seien berühmt für ihre tollen selbstgemachten Weine. Ich bestelle ein Glas Rotwein, der schmeckt wie in Essig getränkte Tinte, jedenfalls stelle ich mir vor, dass Tinte so schmecken müsste, würde man sie in Essig einlegen. Mit anderen Worten, ich habe noch nie so etwas Widerliches probiert. Aber das trifft sich gut, ich wollte sowieso abnehmen, ich esse nur ein paar Brocken Brot und trinke Kok Chai, den grünen Tee ohne Zucker, weil der mit Zucker auch nicht besser wird.

Als wir uns bereits damit abgefunden hatten, dass wir auf dem Tabshan in der Bar Anusch schlafen werden, also unter freiem Himmel, was eigentlich gar nicht so schlecht ist, kommt der freundliche Beamte vom Einwohnermeldeamt mit dem obersten Chef der Polizei vorbei. Der macht seinen Untergebenen runter, weil der uns nicht hat helfen wollen. Was soll der Deutsche von uns denken, fragt er ihn, was wird der zuhause erzählen? Sie haben da ein Hotel mit freien Zimmern, aber lassen ihn nicht rein? Er telefoniert mit der Rezeption des Hotels und sagt, es sei alles klar, wir kriegen ein Zimmer.

Dann plaudern wir lange mit dem Chef über Usbekistan, den Aralsee und wie man ihn auffüllen könnte und ähnliche Themen. Er ist uns sehr sympathisch. Das geht bis nach 22 Uhr, dann fährt er nach Hause und wir zum Hotel. Aber die Dame an der Rezeption will uns noch immer kein Zimmer geben. Sie ist so eine bebrillte, giftige Kombinatsschnecke, die nichts falsch machen will. Plötzlich steht der oberste Chef der Polizei wieder neben uns und sagt zu ihr, sie soll den obersten Chef vom Kombinat anrufen. Das macht sie, und dann kriegen wir Zimmer, aber getrennt, Männer dürfen nicht zusammen in einem Zimmer schlafen. Das Luxuszimmer für mich und ein normales für Abdu. Mit anderen Worten: ich zahle den doppelten Preis. Na also, geht doch, man muss nur mit den richtigen Leuten telefonieren.



Das ist übrigens unser Reisegeld, das wir immer in einer schwarzen Plastiktüte mit uns rumtragen, damit keiner denkt, wir besäßen was Wertvolles. Also merke: Wenn in Usbekistan Ausländer mit schwarzen Plastiktüten … Wir haben schon einiges verteilt und haben jeder noch einen kleinen Stapel in unseren Geldbörsen für die kleinen Besorgungen am Rande, wie z.B. Flaschen mit Wasser drin.



Und das ist ein schräges Polizeiauto, also eine Attrappe. Uns kann es nicht schrecken, Abdu fährt immer vorschriftsmäßig. Ich musste ihm nicht extra sagen, er soll langsam fahren, er fährt sowieso immer relaxed und vorsichtig. Ich liege im Beifahrersitz, die Füße auf dem Armaturenbrett und genieße die Tour.

[kommentar]




Bewohner der Wüste

26.9.16 – Sitze im Joshlik Hotel in Navoij, eine Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern, es gibt WiFi, aber es funktioniert nicht immer. Gerade haben wir uns mit dem Taxi zu 5 verschiedenen Discos fahren lassen, in keiner sind wir geblieben, entweder war gar nichts los, oder es gab usbekische Schmusemusik, oder es war mehr Restaurant als Disco. Überall saßen Mädchen, die rausgeputzt waren, als wollten sie auf eine Hochzeit. Stripteasebuden gibt es gar nicht. Die Fahrt von einem Ende der Stadt zum anderen kostete 5000 Sum, das ist nicht mal ein Euro.



Zwischen Jizzakh und Farish auf Nebenstraßen schöne Wüstenlandschaft entdeckt, die mich an den Iran erinnerte. Da wir nicht wie sonst in der Wüste stehen bleiben konnten, mussten wir bis zum Guesthouse Yashigul (Schöne Blume) durchfahren. Eine andere Übernachtungsmöglichkeit gab es nicht. Mussten leider mehrere Stunden durch die Nacht fahren. Unter anderen kamen wir durch das Dorf Temirtovuk, was „Eiserne Henne“ bedeutet. Abdu sagte, es gebe ein Dorf, dessen Name übersetzt „Alle Ziegenböcke sind ausgerottet worden“ bedeutet.



In Koshquduq haben wir in einer Jurte gegessen, und eine süße junge Dame hat uns bedient. 28 und nicht verheiratet. Ich wollte ein Foto von ihr machen, aber wollte sie nicht, Trinkgeld hat sie auch nicht angenommen. Abdu sagte, das bedeutet, dass wir ihr sympathisch waren, das war sie mir auch. Ich hatte ihm gesagt, er solle sie fragen, ob sie mich heiraten will, hat er aber nicht gemacht. Er weiß halt besser, was sich schickt und was nicht. Oder befürchtete er, sie werde zustimmen und gleich alles liegen und stehen lassen? Wenigstens sollte sie mir ihre E-Mail Adresse geben, aber sie sagte, wir Bewohner der Wüste haben das nicht. Schade. Morgen geht’s weiter durch die Wüste bis Uchquduq.

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Nasse Hose

24.9.16 – Heute morgen geträumt: Ich bin in Wuppertal zu Fuß unterwegs und muss pissen. Ich gehe hinter einen Baum und sehe, dass er auf der Rückseite ausgehöhlt ist und sich im Inneren ein Sitzplatz befindet. Ich pisse da rein, und der Urin durchnässt meine Hosenbeine. Mit nasser Hose gehe ich weiter und schäme mich.

Ich wache auf, schlurfe zum Bad und denke, nun wird uns nichts gelingen auf der Reise, denn wenn man von Urin träumt, ist man schwach und krank und nichts gelingt einem. Aber warum nicht einen Tag später losfahren, vielleicht habe ich morgen einen besseren Traum? Ich frage Abdu, und er ist einverstanden. Also starten wir erst morgen.

Seine Frau sagt dazu, auch sie habe einen schlechten Traum gehabt. Und um ihn nicht zu beunruhigen, habe sie ihm bis jetzt nichts davon erzählt. Ich finde das ganz prima, dass wir so abergläubisch sind.



Unser Chevrolet hatte keinen schlechten Traum, er hat Ölwechsel und neue Reifen bekommen. Heute zum ersten Mal von Polizisten angehalten worden. Abdu habe den Zebrastreifen nicht vorschriftsmäßig überfahren, das stehe so im Gesetz. Was genau er falsch gemacht haben soll, habe ich nicht verstanden. Nachdem Abdu eine Weile allein mit ihnen verhandelt hatte, gesellte ich mich hinzu, und er stellte mich wie üblich als Diplomaten vor. Wieso der denn nicht mit seinem Diplomatenauto fahre, fragten sie. Jedenfalls haben sie ihn ohne Strafe fahren lassen, um den deutschen Diplomaten nicht zu verärgern.



Die schwarze Plastiktüte müssen wir ab jetzt immer mit uns herum tragen, wenn wir das Auto verlassen, da ist unser Reisegeld drin, 1200 Scheine passen in keine Geldbörse.



Tashkent ist schrecklich modern geworden, überall teure Restaurants und Cafés. Mir wäre lieber, alles wäre geblieben wie bei meinem ersten Besuch 2003, als es neben staubigen Shashlikbuden nur das türkische Kaufhaus „Mir“ gab, in dem ich essen konnte, ohne Durchfall zu kriegen.

[kommentar]



Kommentar Andi: Ich habe mir das schnell rausgegoogelt wegen deinem Traum. Es steht wortwörtlich «In der Traumdeutung stellt Urin ein hauptsächlich positives Symbol dar. Wer uriniert, verspürt Erleichterung und lässt los im wahrsten Sinne des Wortes.» Und da haben wir es doch, du verabschiedest dich für eine Weile von deinem Alltag und begibst dich in ein neues Abenteuer. Man muss den Traum nur richtig deuten.

zurken: Mmh, tja, jezz isses zu spät. Und wies gewesen wär, wären wir einen Tag früher aufgebrochen, kann man nicht wissen …




Kann ich mir leisten



23.9.16 – Wir beugen uns über die Karte und planen den ersten Tag. Man sagt, wir sollen viel Reservesprit mitnehmen, es gebe entweder gar kein Benzin oder in schlechter Qualität. Diesel gebe es praktisch gar nicht mehr. Abdu fragt telefonisch an, ob wir die erste Nacht in einem Jurtencamp schlafen können. Alles belegt, es ist Hochsaison, außerdem kostet eine Nacht in einer Jurte 75 USD. Für unbequeme Übernachtungen muss man extra zahlen, kommt für uns also eh nicht in Frage.



Abdus Neffe: der kommende usbekische Diktator spricht zu seinem Volk.



Nochmal seine süße Tochter Sophie.



Letzte Essen mit den Freunden hab ich ausgegeben: eine Flasche Vodka, Shashlik, Salat, Kurt, Brot, Cola und O-Saft für sechs Mann umgerechnet 15 Euro. Das kann ich mir leisten.

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Die Wahrheit

23.9.16 – Das gestrige Erlebnis war also mal wieder kein geiles, sondern eins der lustigen Art. Ich bin verwöhnt durch Pattaya. Etwas Ähnliches kann man hier natürlich nicht finden.



Das Beste, was Tashkent mir bietet, ist das Zusammensein mit den Freunden. Habe sie alle vor 13 Jahren kennen gelernt, inzwischen sind sie verheiratet (zwei ausgewandert), haben gute Jobs (z.B. big Boss einer Spedition) und haben Kinder, sind aber noch genau so gut drauf (wir erinnerten uns nostalgisch an unser Besäufnis am Stausee), und ihre Frauen kochen leckere Sachen.



Ich erzähle, dass ich zuhause in einem „Bomschcafè“ esse (Bomsch = Penner). Das ist erst mal lustig für sie, weil sie eine solche Einrichtung nicht kennen und nicht erwartet hätten, dass ich da esse. Zweitens haben sie auch das Wort Bomschcafè noch nie gehört. Ich habe also der russischen Sprache ein neues hinzugefügt.

Morgen werden Abdu und ich zu einem Trip durch die Wüste aufbrechen. Er hat sich eine Woche frei nehmen können. Früher waren wir in meinem Auto unterwegs, und er hat mich den Polizisten als Mitarbeiter der deutschen Botschaft vorgestellt, damit die uns in Ruhe lassen. Jetzt ist es umgekehrt: Wir fahren in seinem Auto durch die Gegend, und ich kann ihn als Mitarbeiter der deutschen Botschaft vorstellen. Der Unterschied ist nur, dass es jetzt die Wahrheit ist, er arbeitet tatsächlich für die deutsche Botschaft als Dolmetscher und Übersetzer.

[kommentar]




Wenn der das jetzt sehen könnte



22.9.16 – Das war mein Ausblick heute im Angel's Café. Das Zeug am Fenster im Vordergrund ist kein Stacheldraht, das sind Lichterschlangen. Wenn man die Treppen runter zur U-Bahn gehen will, wird man von dem Polizisten mit einem Metalldetektor abgetastet. Dort sollte die Dame erscheinen, die mir ein Freund vermittelt hatte, von der ich aber nicht wusste, wie sie aussieht. Bei jeder, die auf das Café zuging, dachte ich entweder: die bitte nicht, oder: die wäre okay, oder: oh ja, lass es bitte die sein.



Die wars dann. Sie gehört zur Kategorie „die wäre okay“. Auf dem Foto schon am Tatort angekommen: kein Stundenhotel, sondern die Wohnung einer 60jährigen Bekannten von ihr. Die passte mit ihrem Rollator in der Breite so gerade eben durch den Flur, um uns zu öffnen. Das Kabel des Staubsaugers verwehrte uns den Durchgang. Mit dem Sauger war der Sohn in dem Zimmer zugange, das sie offenbar extra für uns hergerichtet hatten. Das sah so aus:



Schön bunt und mit Nippes bestückt, und die Tapete löste sich von der Wand:



Es sei ein Museum, sagte meine Masseuse. Musste ich darum so viel Miete zahlen? 100.000 Sum (15 €) schien mir zu viel, vielleicht hat sie sich die Hälfte selbst eingesteckt.

Nach der Dusche legte ich mich nackt auf das Bett und dachte, sie würde meinem Beispiel folgen. Aber bis auf schwarze Unterwäsche bekam ich nichts zu sehen. Naja, dachte ich, vielleicht später, wenn es zur Sache geht. Für Ganzausziehen müsse ich 30 Dollar Aufpreis zahlen, also insgesamt 50, sagte sie. Und Sex mache sie nicht, sie kenne aber eine, die das macht. Ob sie die gleich mal anrufen solle? Nein nein, aber vielleicht dürfte ich sie ein bisschen streicheln? Auch Streicheln nur gegen 30 Aufpreis.

Nun dachte ich, ich müsse 20 Dollar für eine ganz normale und nicht mal besonders gute Massage zahlen und nahm mir vor, mich bei meinem Freund zu beschweren. Aber als ich nach etwa einer Stunde aufstehen wollte, weil ich dachte, das war's, tippte sie beiläufig auf meinen Schwanz und fragte, ob das da auch massiert werden wolle. Jaja, sehr gerne, aber ohne Aufpreis bitte. Hat sie dann auch gemacht und gar nicht mal so schlecht. Da war's dann auch egal, dass sie, während sie mit der rechten Hand meinen Schwanz wichste, mit der linken das Smartphone ans Ohr drückte und mit ihrem 14jährigen Sohn telefonierte. Wenn der das jetzt sehen könnte, dachte ich, wie seine Mutter einem Opa einen runterholt …



Draußen fand ich diesen schattigen Weg, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Mülldeponie hatte. Der Eindruck war insofern richtig, als dass ich alles, was man dort kaufen konnte, weggeschmissen hätte. Es war also ein Flohmarkt. Glücklicherweise lag ich mit meiner Vermutung richtig, dass die Endstation der Linie 21 nicht weit sein konnte. So konnte ich den hohen Mietpreis etwas kompensieren, indem ich für 20 Cent zurück ins Hotel fahren konnte (statt 8000 Sum für Taxi).

[kommentar]



Kommentar Andi: Schön, dass du wohlbehalten in Usbekistan angekommen bist. Unsere Entfernung beträgt jetzt 4800 km (Pattaya wären es 9150 km). Der Bericht ist interessant und spannend. Hoffen wir doch sehr, dass du dich vor lauter Aufregung nicht noch verwählst und du zu deiner Massage (...) kommst.

zurken: Ja, kam dazu, aber hier ist alles kompliziert. Ich sollte das vielleicht nicht mit Pattaya vergleichen, tue es aber doch …



Kommentar schaettman: weiter machen !!!!

zurken: Internet geht mal wieder entweder gar nicht oder langsam, gestern den ganzen Tag nicht, im Zimmer sowieso nicht, nur an der Rezeption ...



Kommentar Klaus: Hallo Zurken!
Mal wieder ein schöner Bericht von dir!
Ich wünsche dir noch ne geile Zeit dort!
Und mir noch viel von dir lesen zu können!
Schönen Gruß vom Hunsrück!
Klaus

zurken: Vielen Dank!




Klingt gigantisch



21.9.16 – Kulinarisch bestätigte schon der erste Versuch meine Erfahrung aus früheren Tagen: Irgendeine Suppe bestellt, und sie schmeckte nach nichts. Mit dem Saft des Zitronenviertels und viel Salz gings dann einigermaßen. Mein Hunger war so groß, ich hätte notfalls auch die Tischdecke gegessen, hätte sicher auch nicht anders geschmeckt. Der türkische Tee und das Brot waren lecker, aber da hatte ja auch der Koch seine Finger nicht drin. Wenn ich dann 1200 Sum Trinkgeld gebe, muss ich vorher doch erst mal den Taschenrechner bemühen = 0,20 €, ja, dachte ich mir, 1200 klingt aber auch allzu gigantisch.

Abends dann bei Abdu gegessen, und das ist natürlich immer köstlich. Seine Frau hatte extra für mich Galupsi gekocht, mein usbekisches Lieblingsgericht. Dabei zum ersten Mal ihre Tochter Sophie im aufrechten Gang zu sehen bekommen (letzte Mal immer nur im Kinderwagen):



Sie ist ein ganz Süßes. Wie Abdu die hingekriegt hat, ist mir ein Rätsel, demnächst mal bessere Fotos machen von ihr.

Abdu sagt, im fernen Nukus, wo wir nächste Woche Station machen wollen, gebe es einen landesweit bekannten Wunderheiler, der seine Patienten durch Ohrfeigen heile. Von überall her reisen die Leute an, um sich ohrfeigen zu lassen. Den wolle er mir dann vorstellen, damit auch ich in den Genuss seiner Heilmethode komme. Heute sind erst mal Streicheleinheiten von einer Masseuse geplant, die auch Sonderwünsche erfüllt. Ihre Telefonnummer habe ich schon.

[kommentar]






Ich bin da!

20.9.16 – Tatsächlich gestern abend in Tashkent angekommen. Hatte die ganze Zeit das Gefühl, irgendwas geht schief, die Bahn fällt aus, der Flieger stürzt ab oder so. Die Ängste alter Menschen. Aber alles ging gut. Am Flughafen wurde ich sogar gleich von zwei Freunden empfangen, den einen hatte ich erwartet, der andere ist Reiseleiter und wollte seine deutsche Gruppe in Empfang nehmen. Ich hatte während des Fluges zwei aus dieser Gruppe angesprochen. Es sind andere Leute als die Pattaya-Touristen. Kultureisende. Ein Ehepaar war früher mit Geländewagen durch Afrika gefahren, mit denen hätte ich gern noch länger zusammen gesessen. Meine Nachbarin las in der FAZ und machte mich gleich darauf aufmerksam, dass sie nicht Urlaub mache, sondern eine Reise. Als ich ihr was über Usbekistan erzählen wollte, hörte sie gar nicht zu, sondern erzählte mir, was sie aus dem Reiseführer wusste.

Dann mit Abdu in seinem Chevrolet durch die nächtliche Stadt gefahren, was vor allem wegen ihm so angenehm war, ich habe ihn lange Zeit nicht gesehen. Unterwegs im Café „Drei Blaue Kuppeln“ abgestiegen, wo wir die einzigen Gäste waren. Wir zahlten 65.000 Sum für 2 Kaffee und 1 Apfelstrudel, hört sich viel an, war aber nur 10 €. Die Stadt sah ein bisschen netter und gepflegter aus als ich sie in Erinnerung habe, als würde man täglich die Straßen fegen und hätte allen Gebäuden einen hellen Anstrich verpasst. Es scheint, die Usbeken sind wohlhabend geworden, was Abdu bestätigt. Ich hätte vor 13 Jahren, bei meinem ersten Besuch, eine Eigentumswohnung kaufen sollen, wozu er mir schon damals geraten habe. Die sei jetzt 20x so viel wert.



Bin im Hotel abgestiegen, wo mein Fenster auf eine Seelandschaft mit Bäumen hinaus geht, allerdings ist sie nur ein Foto auf einer Leinwand, das eine Bretterwand verdeckt. Ich wäre natürlich lieber bei Abdu abgestiegen, aber das geht nicht, weil er mich nicht registrieren kann. Und ohne Registrierung müsse ich bei der Ausreise 2000 USD Strafe zahlen. Typisch Usbekistan.



Mein Frühstück heute morgen, serviert von einer hübschen jungen Dame. Solche auf mein Zimmer einzuladen, sei auch nicht mehr möglich, sagte Abdu, der sich rührend um mich kümmert. Gerade rief er an und sagte, er wolle mich heute an der Endstation der Linie 21 treffen. Ich müsse mit dem Bus so lange mitfahren, bis alle Leute aussteigen.



Als ich den Bus bestieg, räumte mir dieser Junge sofort seinen Sitzplatz. Danach versuchten wir beide eine Unterhaltung. Wie ich mir dachte, lernt er Englisch in der Schule und schaffte den Satz: „Do you like Usbekistan?“ Ja, ich mag es, weil es hier so süße, nette Jungs gibt wie dich, habe ich gedacht.



Mittags in der Innenstadt trifft man auf solche Straßen. Man denkt, die Stadt ist ausgestorben. Aber hinter einem Baum springt ein Soldat hervor und schreit, ich dürfe keine Fotos machen. „Oh I'm sorry“. Nein, mache ich nicht.

[kommentar]



Kommentar Abdu: Mensch Jürgen, klar spingt da ein Soldat aus, aus 1001 Gebäuden wählste zum Fotografieren genau das Hauptgebäude der Staatsicherheit.

zurken: Darum geht da kein Mensch vorbei, weil sie fürchten, verhaftet zu werden?


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